Campione se déclare en faillite à cause des dettes de son casino

In Campione am Luganersee ist Europas größtes Casino beheimatet. Seitdem die Spielbank in finanziellen Schwierigkeiten steckt, sind die Steuereinnahmen derart gesunken, dass die Gemeinde nun ihre Zahlungsunfähigkeit erklärte.

Casino von Campione mit hohen Schulden belastet
Das von dem Stararchitekten Mario Botta im Jahr 2007 direkt am See erbaute Casino di Campione entwickelte sich nach seiner Eröffnung schnell zu einem Publikumsmagneten bei Spielern und Designfans aus dem In- und Ausland.

Mit den sprunghaft gestiegenen Besucherzahlen wuchsen die Einnahmen der Stadt, da sich das Casino zu 100 Prozent im Stadtbesitz befindet. Nicht zuletzt deshalb gehörte Campione zwischenzeitlich zu einer der reichsten Gemeinden Italiens.

Nun ist das Casino jedoch von der Insolvenz bedroht, weshalb es seine Abgaben nicht mehr geleistet hat. Den Kassen der Gemeinde fehlen nun rund 30 Millionen Franken in der Bilanz. Deshalb gab der Gemeinderat Campiones letzte Woche bekannt, dass er die Gemeinde aufgrund der Ausstände für zahlungsunfähig erklärt.

Mit Abgabe der Erklärung äußert sich Gemeindepräsident Salmoiraghi zu der angespannten Lage des Casinos und seinen Hoffnungen:

„Als ich am 30. Juni letzten Jahres mein Amt antrat, wusste ich, dass ich eine schwierige Situation vorfinden würde. Aber ich konnte mir nicht vorstellen, dass sie derart katastrophal war. Ich habe alles versucht, aber eine andere Lösung scheint unmöglich. (…) Ich bin jedoch sicher, dass wir wieder wie Phönix aus der Asche auferstehen werden.

Da bereits ein Konkursantrag vorliegt, ist nicht sicher, wann und ob überhaupt die Schulden beglichen werden. Neben dem Loch in der Staatskasse sind zudem viele Arbeitsplätze bedroht.

Hunderte von Jobs in Gefahr
Gehaltskürzungen der Mitarbeiter, die schon seit Februar gar keinen Lohn mehr erhalten haben, scheinen unausweichlich. Käme es gar zu einer Schließung der Spielbank, wären die Jobs von 500 Mitarbeitern im Casino sowie rund 100 Gemeindeangestellten bedroht.

Die prekäre Lage des Casinos ist nicht neu, denn schon Mitte 2017 war das Haus praktisch bankrott. Eine der Hauptursachen für den wirtschaftlichen Niedergang der ehemaligen Goldquelle ist der starke Schweizer Franken.

Grund hierfür ist, dass das Casino seinen Gewinn in Euro erwirtschaftet, an die Stadt jedoch einen festgelegten Betrag in Franken überweist. Da sich dessen Kurs gegenüber dem Euro innerhalb der letzten 10 Jahre von 1,65 Franken zu einem Euro auf 1,10 Franken zu eins gesteigert hat, sind diese Abgaben inzwischen viel zu hoch.

Obwohl die Spielbank 2016 einen Bruttospielertrag von 92 Millionen auswies, reichte dies nicht mehr zur Deckung der Ausgaben. Dies führte dazu, dass bereits im Juli 2017 eine Schuldenlast von 140 Millionen Franken die Spielbank bedrohte.

Campione seit mehr als 100 Jahren mit einem Casino
Das Besondere der vom Schweizer Kanton Tessin umgebenen italienischen Exklave Campione ist ihr rechtlicher Status. Der Ort am Ostufer des Luganersees wird vom Rest Italiens durch den See getrennt.

Aufgrund dieses Status’ genießt Campione einige Besonderheiten. So wird dort mit Schweizer Franken bezahlt und die Steuerhoheit liegt ebenfalls auf Schweizer Seite. Viele Umsätze erfolgen jedoch auch auf Euro-Basis und auch die Glücksspiel Rechtsprechung folgt europäischen Normen.

Zoll- und steuerrechtlich führt der Sonderstatus Campiones dazu, dass die Exklave zum Hoheitsgebiet der EU gehört, allerdings nicht zu deren Zollgebiet. Deshalb entwickelte sich der Ort schnell zu einer Steueroase, denn die Besteuerung erfolgt durch die Schweiz.

Diese günstigen Umstände führten dazu, dass bereits 1917 das erste Spielcasino eröffnet wurde. Nicht zuletzt die Popularität des für umgerechnet etwa 50 Millionen Euro erbauten neuen Casinos sorgte in kurzer Zeit dafür, dass es für den Ort zu einem noch bedeutenderen Wirtschaftsfaktor wurde.

Die größte Spielbank Europas
Die Spielbank bietet sämtliche klassischen Spiele aus Frankreich und Amerika an. Dazu gehören insbesondere eine große Auswahl an Spieltischen beim Französischen Roulette, Baccarat, Black Jack, Poker oder auch dem Würfelspiel Craps. Dazu werden regelmäßig Turniere im Texas Hold’em oder Carribean Stud Poker veranstaltet. Neben den traditionellen Casinospielen sorgen über 770 Spielautomaten für die Unterhaltung der Gäste. Kunden finden hier somit eine breite Auswahl an Video Slots, Video Poker oder Jackpot Games.

Wie es für die Spielbank weitergeht, ist zurzeit völlig offen. Die Bankrott-Erklärung der Gemeinde führte zur Einsetzung eines kommissarischer Verwalters. Dieser hat nun den Auftrag, sich um die schwierige Finanzlage zu kümmern.

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